Prosa

Abschied

Ich brauch es doch auch gar nicht zu erklären. Was das heißt, wie es sich anfühlt. Als hätte man das Herz an einem hässlichen Brocken gebunden und ins Wasser gestoßen. Es ist eine Art Schwere, für manche auch eine Schwerelosigkeit – ein Befreiungsschlag, als sei es gut gewesen, diesen einen widerspenstigen Strick zwischenmenschlicher Beziehung durchzuschneiden. Und obwohl jeder weiß, wie es sich anfühlt, als sei es eine unvermeidliche Tatsache der Menschheit – das Abschiednehmen – lässt man es sich nicht vorenthalten diesen einen Moment in Worten, Bildern oder Liedern festzuhalten. Tut es sehr weh? Oder bist du gerade von einem Gefühl der Glückseligkeit beflügelt? Was war diese Person für ein Mensch, was hat sie mit dir gemacht? Ist gar unsere Art und Weise des Abschiednehmens eine ultimative Definition der Beziehung zu diesem einen Menschen, den wir aus Gründen, wegen Situationen (anderer Menschen vielleicht?) verlassen mussten? Drücken wir sie ganz fest an uns? Weinen wir dabei? Ein stummes Nicken, ein Garnichts? Oder vielleicht muss man auch gar nicht. Man glaubt nur, man müsste jetzt gehen, Adieu sagen, als sei man der Macht der Situation unterworfen. Vielleicht möchtest du dich noch einmal umdrehen, ihnen in die Augen schauen, du suchst diesen einen Blick unter vielen. Aber sie sind schon weg, der Zug fährt ab. Was machst du nun? Du wartest. Du schreibst.

Fin.

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