Prosa

Der Kommunist im Regen

… oder ein sinnloser Prosa-Text, während ich auf den Bus wartete.

Er hörte nicht auf. Der Regen, meine ich. Die Scheibe zierte er mit Tropfen, zeichnete einen zerfledderten Kranz in mein Haar. Kräuselnd lockten sich die Strähnen, bis das Gewicht des Wassers sie wieder herunter zog. Meine Frisur war somit ein merkwürdiges Unding zwischen Knoten und klammer Glätte. Ich schaute auf, beobachtete den gräulichen Schleier, der sich über den Campus bahnte. Mein Bauch knurrte unaufhörlich, so sehr, dass der Typ neben mir mich peinlich berührt anstarrte. Starrte nur. Und schmunzelte in höflicher Sympathie. Nun war es an meiner Reihe peinlich berührt zu sein – wie in einer absurd kitschigen Filmszene schaute ich eilig weg, lächelte sogar noch dabei, und hoffte, dass mich kein Bekannter bei solch peinlichem Akt erwischte. Sonst müsste ich schon wieder die Stadt verlassen. Er beließ es wie jeder vernünftiger Mensch und wandte sich wieder seiner Lektüre zu. Während er las, hielt er den Einband demonstrativ in die Luft, um gebildet zu wirken. Es war Ostrowskis Wie der Stahl gehärtet wurde. Ein richtiger Kommunist, also.

Ich trat aus der schützenden Markise heraus, unter der sich die Menschen bereits wie hilflose Ölsardinen tummelten. Sie stanken alle irgendwie nach nassen Hunden. Ich verschwand unterdessen in den grauen Schleier, ließ den Typen und Ostrowski allein im Regen stehen. Irgendwie war mir das Ganze doch noch zu blöd geworden
Fin.

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